Kaschmir-Produktion

Zu früheren Zeiten war Kaschmir als Luxusartikel nur einem exklusiven Kreis der High Society vorbehalten, da diese geschmeidige, feine Faser nur limitiert erhältlich war. Bereits das Rohmaterial ist sehr kostbar. Bis Ende der 1960er Jahre des letzten Jahrhunderts betrug die Produktion knapp 4.000 Tonnen pro Jahr. Hauptproduktionsländer sind China, die Mongolei, Iran und Afghanistan. Die hochwertigen Kaschmir Schals, Pullovers konnten meist nur bei Firmen mit speziellem Know-how in Schottland und Italien produziert werden.

In jüngster Zeit hat sich einiges geändert: die jährliche Produktion steigt auf mind. 8.000 Tonnen, und der Schwerpunkt der Produktion der Kaschmirwaren hat sich nach Ostasien verlagert, d. h. das Rohmaterial wird direkt vor Ort mit hoher Wertsteigerung weiter verarbeitet. Dadurch werden die Kaschmirwaren auch für eine breitere Schicht der Bevölkerung erschwinglich.


mongolische Kaschmirziegen


 „Was mit 100 Prozent Kaschmir ausgezeichnet ist, muss nicht 100 Prozent Kaschmir enthalten“.

Der Preis für Kaschmir ist - je nach Qualität - bis zu 20-fach höher im Vergleich zu anderen textilrelevanten Tierhaaren. Dieser Preisunterschied verleitet viele unehrliche Kaschmirhersteller dazu, preisgünstigere, feine Tierhaare in Kaschmir beizumischen, jedoch die Endprodukte als reines Kaschmir zu deklarieren. Ziel ist es, die Kosten zu reduzieren oder eher den Gewinn zu maximieren.

Jahrein jahraus wird  am DWI festgestellt, dass 40 bis 60% der eingesandten Kaschmirmuster falsch gekennzeichnet sind. Dabei enthält die Ware mind. 10% nicht-deklarierte Fremdfasern oder, im schlimmsten Fall, keine einzige Kaschmirfaser.

Kaschmir ist nicht gleich Kaschmir

Innerhalb der textilrelevanten Tierhaare wird Kaschmir als die nobelste Faserart betrachtet. Jedoch gibt es große Unterschiede in der Qualität. Drei Hauptkriterien entscheiden über den Preis des Rohmaterials:

-          Faserfeinheit: je feiner, desto teurer (höhere Geschmeidigkeit)

-          Faserlänge: je länger, desto teurer (besseres Verspinnbarkeit)

-          Farbe: naturweiße Farbe erzielt den besten Preis (in hellen Nuancen färbbar).

Grannenhaar-, Haarschuppenreste sowie Kräuselung der Fasern sind weitere Faktoren, die die Preise des Rohmaterials beeinflussen.

In der folgenden Tabelle sind die Preisindikatoren für Kaschmir unterschiedlicher Herkünfte im Jahr 1998 aufgeführt. Dunkle, kurze Fasern kosten nur halb so viel wie naturweiße, lange Fasern.

 

 

Fibre length

[mm]

Price

[US $/kg]

White

 

 

       Long hair

36 - 40

72 - 94

       Medium

30 - 34

58 - 72

       Short

22 - 30

42 - 58

Brown

 

 

        Long hair

34 - 36

64 - 72

        Medium

30 - 34

52 - 64

        Short

22 - 30

36 - 52

                                     Quelle: Wool Record 3 (1998)


Durch Nachfrage und Angebot können die Preise stark variieren. Im Jahr 2011 kostet ein Kilogramm Kaschmir guter Qualität (white, long hair) ca. 150,--USD.

Kaschmir-Identifizierung mit dem Elektronenmikroskop

Kaschmir und andere textilrelevante Tierhaare sind sehr ähnlich aufgebaut und daher nicht mit herkömmlichen physikalischen und chemischen Methoden  zu unterscheiden. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat das DWI ein Raster-Elektronenmikroskop als Werkzeug für die Erforschung der textilrelevanten Tierhaare eingeführt und die sog. „topographischen Fingerabdrücke“ auf der Oberfläche der einzelnen Tierhaarart entdeckt und systematisch untersucht. Eine sichere, objektive Differenzierung von Kaschmir und anderen Fasern ist somit möglich geworden.

Im Vergleich zum Lichtmikroskop hat das Raster-Elektronenmikroskop eine weit höhere Auflösung, so dass „topographische Fingerabdrücke“ damit visualisiert werden können. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die charakteristischen Merkmale zur Unterscheidung der textilrelevanten Tierhaare in der unterschiedlichen Anordnung der Schuppen auf der Faseroberfläche auszumachen sind. Dunkel gefärbte, stark pigmentierte oder chemisch modifizierte Fasern sind keine Hindernisse für Faseridentifizierung wie beim Lichtmikroskop.



Probleme mit unterschiedlichen Analysenergebnissen von renommierten Prüflabors

Bisher wird der Kaschmirgehalt in Textilien mit den folgenden Methoden kommerziell untersucht:

-          Lichtmikroskopie

-          Raster-Elektronenmikroskopie

-          DNA-Analyse

Nur die ersten zwei Methoden sind international standardisiert. Die DNA-Methode ist nur bedingt anwendbar, und zwar nur für Rohmaterial. Bei Fasern in Endprodukten versagt die Methode vollends, da die DNA-Moleküle bereits bei einem milden Veredlungsprozess (z.B. Vorwaschen) fast ganz herausgelöst werden.

Trotz der Standardisierung der mikroskopischen Methoden ist es für viele Auftraggeber problematisch, da für die eine und selbe Probe fünf unterschiedliche  Analysenergebnisse von fünf verschiedenen Prüflabors geliefert werden können. Das Problem wird noch gravierender, als Fälscher Wissenschaft und Technik heran gezogen haben, um feine Schafwolle und andere Tierhaare auf Kaschmir zu „trimmen“.

Grund für die Diskrepanz der Untersuchungsergebnisse ist die unterschiedliche Performanz des Operators. Die Normen beschreiben selbst, dass jahrelange Erfahrung eine Voraussetzung für eine sichere Faseridentifizierung ist.